Unseren täglichen Genderkram gib uns heute

Im Tagesspiegel kann man exemplarisch wieder deutschen Topjournalismus in Sachen Gendergeblubber begutachten.
Da ist alles enthalten, was die Zunft zu bieten hat, ein Popanz, weibliches Opfergehabe / vermeintliche Frauenfeindlichkeit, Kontrafaktizität und schlichten Unsinn.
Auszug:

Der Trend, Ursachen für Geschlechtsunterschiede im Hirn und nicht in der Gesellschaft zu suchen, ist ungebrochen. Doch oft sind diese Studien völlig unwissenschaftlich – dienen aber dazu, Vorurteile gegen Frauen im wissenschaftlichen Gewand zu präsentieren.

Die Ansicht, dass die entsprechenden Verhaltensweisen extern / also durch Rollenzuweisung bedingt sind,
ist ebenso nur eine Theorie, zudem nicht weniger fadenscheinig als ihre „biologistischen“ Entsprechungen.

Und dann noch eine Wertung vorzunehmen, sprich etwas als „Rollenklischee“-typisch zu diffamieren bzw. abzuwerten
spricht auch nicht  gerade von wissenschaftlicher Redlichkeit.

Warum geht man nicht vom naheliegenden aus: dass das Geschlechter-spezifische Verhalten in den Studien so ausfällt,
wie es ausfällt, weil die Teilnehmer es entsprechend so wollen. Ihre Motivation demnach genauso ausgelegt ist.
Wenn jemand seine Fähigkeiten für bestimmte Tätigkeiten einsetzen will und für andere nicht, ist das sein / ihr gutes Recht.
Ob das jetzt mit biologischen Ursachen zusammenhängt oder mit gesellschaftlichen oder mit Mischungen von beiden –
was wahrscheinlicher ist – ist dabei doch nebensächlich. Es ist historisch belegt, dass Frauen,
obwohl sie reichlich Gelegenheit für musikalischer Betätigung hatten, kaum kreative Neuschöpfungen in diesem Feld erreichten.
(für die meisten bürgerlichen Töchter gehörten im 19ten / frühen 20 Jh. Klavierstunden zum guten Ton).
Warum haben hauptsächlich Männer  Entdeckungen und neue Ideen auch gegen die größten gesellschaftlichen Widerstände durchgesetzt,
selbst wenn sie dafür mit dem Leben bezahlt haben und es gerade nicht „en vogue“ war?
Andererseits führt anscheinend auch enormes Engagement in sogenannte „Girlsdays“ nicht dazu, dass in den MINT Bereichen
eine Angleichung erfolgt. Sagen wir doch einfach Männer und Frauen sind (tendenziell) motiviert ihre Fähigkeiten unterschiedlich
auszuleben. Ist das schlecht? Ist der/die eine deswegen „dümmer“ oder „minderwertiger“ als die/der andere, weil er/sie andere
Beweg-Gründe hat?

Vermeintliche Rollen zu kritisieren und die nach ihnen Handelnden als „Opfer“ gesellschaftlicher Normen darzustellen,
hat mehr mit Manipulation und Zwang zu tun, als in diesen „Normen“ heutzutage tatsächlich enthalten ist.
Denn was ist die Alternative? Den Leuten vorzuschreiben, wie sie sich „nicht Rollen-spezifisch“ verhalten sollen oder
„Rollen-spezifisches“ Verhalten abstrafen?
Zumal die „gender“ Verhaltensmaßregeln zum größten Teil Lebens-fremd / feindlich und in sich selbst oft genug widersprüchlich sind.

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4 Kommentare - “Unseren täglichen Genderkram gib uns heute”

  1. Olaf Willuhn Says:

    Lieber Wolfram,

    ich geb dir sofort recht, wenn es darum geht, dass jeder sein Leben so leben sollte wie es ihm behagt (männliche Form gilt auch für die Weibsbilder). Ich gebe dir auch recht, dass es letztlich noch keine wirklich ausreichende Erklärung für die unterschiedlichen Entwicklungen, Talente etc. gibt, die Männlein und Weiblein nehmen/haben. Nebenbemerkung: Das Konstrukt Rollenzuweisung ist bei weitem nicht das einzige, das eine Erschaffung von Männ- und Weiblichkeit qua Sozialisation beschreibt. Aber das weißt du, besser als ich, bist ja schließlich Dipl-Psych.
    Dein Konstrukt, dass es schlicht an der Motivation liegt, erscheint mir dünn. Motivation fällt ja schließlich nicht vom Himmel. Und warum die Motivation in Bezug auf die von dir aufgeführten „Leistungen“ wie Kompositionen, Entdeckungen … (können auch ganz andere sein) so deutlich unterschiedlich ausfallen zwischen Männlein und Weiblein muss doch Gründe haben (ich glaube nicht an einen einzigen Grund, nicht nur Biologie, nicht nur Sozialisation).

    Was sein müsste wenn es denn okay ist, dass wir jeder unser Leben so leben wie es uns behagt, ist, dass damit keine Unter- und Überordnung und auch keine Ungleichheit in der Chancenverteilung, im Ansehen, Status, Verdienst, letztlich auch Macht verbunden ist. Unrealistisch, ich weiß. Eine Anekdote dazu. Mitte der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts waren in Europa die bestverdienenden Ärzte diejenigen, die sich um Zähne kümmerten. Nur in Polen nicht, hier waren sie mit am Ende der Einkommensskala der Ärzte des Landes. In Polen waren aber auch – anders als überall sonst in Europa – die Zahnärzte überwiegend Zahnärztinnen.

    • gedankenwerk Says:

      @Olaf Wilhuhn

      Da muss ein Missverständnis vorliegen. Ich bin nicht Wolfram, er hat meinen Blog nur verlinkt.

      Beste Grüße,

      Jan

    • gedankenwerk Says:

      @Olaf Willuhn

      Und warum die Motivation in Bezug auf die von dir aufgeführten “Leistungen” wie Kompositionen, Entdeckungen … (können auch ganz andere sein) so deutlich unterschiedlich ausfallen zwischen Männlein und Weiblein muss doch Gründe haben (ich glaube nicht an einen einzigen Grund, nicht nur Biologie, nicht nur Sozialisation).

      Beide als alleinige Ursachen zu betrachten führt m.E. zu Problemen. Zumindest was die Konsequenzen angeht.
      Eine Überbewertung der Biologie kann zu einem falschen „Normdruck“ führen. Ein Abweichen von dem Durchschnitt führt schneller zu Stigmatisierung, wenn es als „unnatürlich“ angesehen wird. Das halte ich heutzutage aber für die geringere Gefahr. Ich meine, selbst bei den „niedrigen“ Lebewesen mit hoher fester biologischer Determiniertheit des Verhaltens gibt es immer noch eine sehr große Vielfalt. Wir finden in der Natur alle möglichen Arten von Geschlechterteilung. Auch wenn man nur die Primaten berücksichtigt.

      Die größere Gefahr sehe ich, nach den Erfahrungen in feministischen Blogs und Foren, in einer Überbewertung der Sozialisation. Denn diese weckt Begehrlichkeiten nach beliebiger „Umerziehung“ und Veränderung des Individuums nach äußeren Maßstäben. Es steht dahinter das ethische Problem, ob der Mensch so sein darf, wie er ist. Oder ob er einem Willen oder Maßstab unterworfen sein sollte. Dies ist in der Konsequenz sogar noch schlimmer als ein biologistischer Normierungsdruck.


      Was sein müsste wenn es denn okay ist, dass wir jeder unser Leben so leben wie es uns behagt, ist, dass damit keine Unter- und Überordnung und auch keine Ungleichheit in der Chancenverteilung, im Ansehen, Status, Verdienst, letztlich auch Macht verbunden ist. Unrealistisch, ich weiß. Eine Anekdote dazu. Mitte der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts waren in Europa die bestverdienenden Ärzte diejenigen, die sich um Zähne kümmerten. Nur in Polen nicht, hier waren sie mit am Ende der Einkommensskala der Ärzte des Landes. In Polen waren aber auch – anders als überall sonst in Europa – die Zahnärzte überwiegend Zahnärztinnen.

      Heißt das jetzt, dass man sie gezwungen hat, mit weniger Geld zufrieden zu sein? Und wie sieht die Situation außerhalb der finanziellen Lage aus? War die Arbeitszeit gleich? Die Konkurrenz / Ärztedichte höher? Generell die Qualität der polnischen Zahntechnik schlechter?

      Es kann tausend Gründe haben, warum eine Berufsgruppe in einem Land weniger verdient und dieses mit einem Merkmal korreliert, Anekdote:

      Im 19ten Jahrhundert haben die Familien sehr viel mehr Kinder gehabt, 6-10 waren nicht unnormal.
      In den Dörfern auf dem Land gab es sehr viel mehr Störche als heute.
      Seitdem hat sich die Storchpopulation von Jahr zu Jahr verringert und der Storch steht inzwischen unter Naturschutz.
      Gleichermaßen haben die Kinderzahlen pro Familie stark abgenommen. Heißt das jetzt dass die Anzahl der Störche doch mit der Kinderzahl zusammenhängt?!

      Solcherlei Statistik zeigt, wie veranschaulicht, allein betrachtet recht wenig aus.

  2. kernanalysen Says:

    Die Härte am Artikel ist der Schluss, erst werden irgendwelche Studien mit zu kleinen Stichproben disqualifiziert und dann: ….. Als man 100 Universitätsmitarbeiter bat, von zwei fiktiven Jobbewerbern, ….
    Eine Stichprobe von 100 ist unbedeutend. Es gibt ein kluges Buch, schnelles denken, langsames denken… da wird beschrieben das einfach der Grossteil der Menschen, auch Statistiker einfach viel zu kleine Stichproben nehmen….


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