Normal heißt leicht bescheuert

Heute will ich mal die gewagte These in den Raum stellen, dass die „Ränder“ der Intelligenz-Glockenkurve nicht zum positiven „züchtbar“ sind und der „Normalbereich“ (sagen wir, bis 140 – denn mehr können Standardtests ohnehin nicht zuverlässig messen) starken Schwankungen im Leben eines Individuums unterliegt.

Was, wenn Hoch- / Höchstintelligenz eine „Mutation“ oder ein „Ausreißer“ ist? Da es nicht so viele Höchstintelligente gibt, bin ich einigermaßen verwundert, wie oft dieses „Geschenk“ der Begabung mit ernstzunehmenden mentalen und neurologischen Erkankungen einhergeht.
Denke ich an Robert Pirsig, denn eins seiner zwei Bücher habe ich hier im Blog schon thematisiert, dann ist dieser zweifellos eine hochbegabte Person. Einen IQ von 170, im Alter von 9, das überspringen diverser Schulklassen, sprechen dafür … Aber sein Beitrag zur Kultur bestand im wesentlichen aus zwei im Belletristik-Stil geschriebenen Büchern. Gut, das eine ist eine amüsante Einführung in Software Qualität, aber nicht wirklich eine wissenschaftliche Höchstleistung. In „ZEN und die Kunst ein Mottorrad zu warten“ beschreibt er im übrigen auch Episoden seiner schizophrenen Erkrankung. Von den anderen seiner Verdienste (Übersetzungsarbeiten etc.) sieht die Welt nicht viel. Gut, dann kann man einwenden, das ist ja der übliche „anekdotische Beweis“, also keiner.
Eine große Ausnahme. Meinetwegen.
Beschränke ich mich weiter nur auf die Höchstintelligenten und Nobelpreisträger eines abgegrenzten Zeitraums, so sieht das sogar noch krasser aus:

  • Einsteins jüngster Sohn, Eduard Einstein, litt ebenfalls unter schwerer Schizophrenie
  • Paul Ehrenfest, litt unter schweren Depressionen und tötete sich und seinen geistig behinderten Sohn schließlich
  • Paul Dirac selbst wurde als verschroben und „seltsam“ beschrieben, sein Bruder Felix suizidierte sich ebenfalls
  • John Forbes Nash ist wohl der bekannteste schizophrene Nobelpreisträger
  • Robert Oppenheimer wird in sämtlichen Biographien als mindestens leicht paranoid dargestellt

Wenn Schizophrenie also eine stark erbliche Komponente hat und Intelligenz eine stark erbliche Komponente hat, dann kommt das in den obigen Beispielen doch als Gesamtpaket.
Genau, wie es Steven Hawkings nur als Gesamtpaket mit seiner ALS gibt.
Wäre eine Gesellschaft komplett aus Höchstintelligenten sinnvoll oder überlebensfähig?

Der Beitrag, den Hochintelligente zur Menschheit gebracht haben, bestand nicht darin, ihre Gene möglichst weit verbreitet zu haben und intelligente Kinder zu zeugen. Von den Nachfahren Pythagoras ist wenig bekannt, Turing hatte aus offensichtlichen Gründen gar keine. Aber ihre Ideen trieben auf der ganzen Welt Früchte, auch in Gegenden und in Kulturen, die nichts mit den Autoren zu tun hatten.

 

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2 Kommentare - “Normal heißt leicht bescheuert”


  1. Scheint mir ein typischer Fall einer sozio-optishen Täuschung zu sein: Hier wird mit Einzelfällen versucht, den Trend zu begründen, daß Hochbegabungen irgendwie „bezahlt“ werden müssen – eine literarische These, deren Ursprung man bei Thomas Mann in „Tonio Kröger“ nachlesen kann: Danach verhalten sich Begabung und Lebenskfraft umgekehrt proportional.

    Die Wahrheit sieht anders aus und wurde schon mal bei Scilogs.de diskutiert, ein post von 2011, wenn ich mich nicht irre. Dort ging es um die Verteilung von Begabungen unter Nobelpreisträgern und das Ergebnis war ein anderes: 70% aller Nobelpreisträger sind mehrfach hochbegabt, Inselbegabungen sind extrem selten und meistens sind diese Leute auch privat erfolgreich.

    Lektion: Die Hochbegabten sind nicht wie alle anderen, sie sind besser und gesünder und haben es leichter. Aber Wenn sie Schwächen haben, dann fällt uns das mehr auf und wie neigen dazu, sie auf diese Weise durch abstruse Erklärungen zu normalisieren.

    • gedankenwerk Says:

      Scheint mir ein typischer Fall einer sozio-optishen Täuschung zu sein: Hier wird mit Einzelfällen versucht, den Trend zu begründen, daß Hochbegabungen irgendwie “bezahlt” werden müssen

      Möglich.
      Fiel mir nur bei diversen Biographien auf. Dort wird ja auch das Umfeld der jeweiligen Persönlichkeit beleuchtet.
      Und die Anzahl der Grenzverrückten in der wissenschaftlichen Elite der 30er und 40er Jahre war schon ganz ordentlich.

      Dort ging es um die Verteilung von Begabungen unter Nobelpreisträgern und das Ergebnis war ein anderes: 70% aller Nobelpreisträger sind mehrfach hochbegabt, Inselbegabungen sind extrem selten und meistens sind diese Leute auch privat erfolgreich.

      Mehrfachbegabungen haben heißt ja nicht automatisch frei von Pathologien zu sein. Mehrfachbegabungen sind keine Bestätigung der Antithese. Dass Höchstbegabung ein „Ausreißer“ ist, wird kaum jemand bestreiten. Extremwerte sind nicht, was man nach einem langen evolutionären Prozess erwartet:
      Jeder Mensch hat zwei Eltern, diese wiederum zwei usw.
      Die Welt Bevölkerungszahl war vor 100 Jahren nicht mal 1/7 (#edit: von heute), das heißt, es besteht ein recht hoher Verwandschaftsgrad in Gesellschaften. Wäre etwas so nützliches, wie eine Hochbegabung, durch Vererbung einfach zu haben, gäbe es diese Unterschiede nicht.


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