Archive for the ‘Feminismuskritik’ category

Biomüll und leere Tafel

9. August 2015

Bei den Streifzügen durch diverse Blogs kommen immer wieder ein paar Mantra-artig vorgetragene Konzepte vor, die man vorgeblich „gegen“ den Feminismus und Konstruktivismus in Stellung bringt, die aber meines Erachtens nicht ausreichend fundiert sind und bei Nachhaken auch nicht begründet werden.

Dieser Bio-Fetischismus hat leider auch maßgeblich die MGTOW befallen. Fangen wir mal mit den noch harmlosesten an.

„Es gibt keinen freien Willen“, gerne vermischt mit „Es gibt kein (autonomes) Selbst“

Ja, meinetwegen. Nur, was bringt es? Erstere Aussage ist ziemlich irrelevant, da ein wie immer gearteter Determinismus noch lange nicht heißt, dass man die Funktion, wie ein Individuum unter gegebenen Umständen reagiert, einfach berechnen könnte. Denn A) haben die „Werkzeuge“, die man dabei benutzt (die menschliche Ratio selbst), maximal die gleiche Mächtigkeit wie der zu untersuchende Gegenstand. Mit anderen Worten: Wäre das Gehirn so einfach, dass wir alle Vorgänge und Prozesse angemessen verstehen könnten, wären wir wiederum so dumm, dass wir es nicht könnten. Man kann das auch ausführlicher und weniger flapsig begründen, wenn man sich anschaut, was Modelle und formale Systeme zu leisten im Stande sind (Stichwort: Turing, Gödel, Post).

Ähnlich irrelevant ist das „nicht vorhanden sein“ des (autonomen) Selbst. Was hier besonders stört, ist dass das „autonom“ gerne vergessen wird und man „das Selbst“ gerne ganz als nichtig erklären würde.

Auf diese Weise kann man das Descartsche „Ich denke, also bin ich.“ als veraltet abtun und sich damit gleich mal als besonders innovativ und quantensprunghaft hervortun. Dabei ist das „autonom“ der zentrale Punkt.
Das „ich denke, also bin ich“ bleibt, auch bei einem nicht-autonomen Selbst, wahr. Angenommen, das Selbst sei eine „Illusion“, ein Epiphänomen, hervorgebracht durch kognitive Prozesse. So, wie ein Magnetfeld, das durch den Stromfluss entsteht… Eine Illusion, eine Illusion für wen? Allein der Begriff Illusion macht nur Sinn, wenn es einen Beobachter/Observer gibt. Angenommen das Bewusstsein, das Selbst, sei eine Illusion, die aus sich selbst heraus entsteht und ihr eigener Beobachter ist, selbst dann wäre es immer noch ein waschechtes Bewusstsein.

Und eben dieses Bewusstsein ist dann mehr ein physisches, als ein evolutionär-biologisches Phänomen. Denn biologisch-evolutionär macht Bewusstsein absolut keinen Sinn. Es gibt nicht den geringsten evolutionären Vorteil, warum sich Bewusstsein entwickelt haben sollte. Die gesamte Welt, wie sie jetzt ist, wäre absolut genauso ohne Bewusstsein möglich. Man braucht kein Bewusstsein, damit sich Gen-Vehikel, „intelligent“ verhalten. Genauso wenig braucht man es für Gruppendynamiken, soziale Interaktion, Kommunikation oder was auch immer. Eine solche „Zombi“-Welt, würde biologisch nicht weniger Sinn machen.

Es ist bezeichnend, dass ausgerechnet dieses für jeden Menschen selbst-wahrnehmbare und für den Menschen besonders kennzeichnende Phänomen eher ein physischer Nebeneffekt als ein biologisches Phänomen sein soll. Wenn das so ist, dann hat die Biologie über den Menschen weit weniger zu sagen als andere Wissenschaftsgebiete, die sich zumindest an gewisse wissenschaftliche Standards halten.

Tabula Rasa

Also wenn irgendein „Tier“ bei Geburt an das unbeschriebene Blatt heran kommt, dann der Homo Sapiens. Wer seine Beobachtungsgabe nicht durch sein Talent zu glauben beeinträchtigen lässt, kann das jederzeit ganz einfach feststellen. Was kann ein Menschensäugling? Von alleine gar nichts. Selbst für fasst alle anderen Tiere selbstverständliche Fähigkeiten, wie zu laufen, werden erlernt.
Ein Rehkitz kommt auch ohne elterliche Hilfe auf die Beine und läuft. Ein Menschenkind würde arge Schwierigkeiten haben.

Fragt man die meisten Menschen, wie ihr denken aussieht, dann beschreiben sie es als „inneren Monolog“. Sprache wird erlernt und nicht nur das, sie ist auch noch austauschbar.

Jetzt kann man sich fragen, macht es evolutionär einen Sinn, wenn man so fundamentale Fähigkeiten bei „niedrigeren“ Entwicklungsstufen „fest verdrahtet“ hat und sie später gar nicht mehr hat? Nein, das macht keinen Sinn. Denn sie wurden durch etwas viel mächtigeres und die rezente Umwelt überdauerndes überlagert.
Viel schlimmer noch, wenn all diese Fähigkeiten, sowieso zu einem Großteil fest verdrahtet und genetisch bedingt sind, warum dann so viel Energie mit notwendiger Betreuungszeit und Bindung von Ressourcen verschwenden? Bisschen komisch, dass die „Kalibrierung“ von etwas schon vorhandenen länger dauert als das spontane Funktionieren bei anderen Lebewesen.

Die eigentliche Frage lautet: Kennt die Biologie das Konzept von „Software“? Ein Programm kann man auf ein Stück Papier schreiben. Es bleibt ein Programm, dass etwas ausdrückt und etwas „tut“.
Man kann dieses Programm in einer hölzernen Rechenmühle umsetzen, es bleibt das gleiche Programm. Man kann dieses Programm mittels Logikgattern umsetzen und egal ob man für diese Gatter unterschiedlichste Transistoren verwendet, es bleibt das gleiche Programm.

Software transzendentiert Materie / Gene und Umwelt.

Damit schließe ich natürlich nicht aus, dass es auf unterbewusster, emotionaler Ebene (oder dem Gebiet der Motivation) „feste“ Anlagen oder Ausrichtungen gibt. Aber wenn sich die Biologie und ihre Begriffe nicht drastisch selbst erweitert und gegen Vulgarisierung abgrenzt (Ein Thema für sich), ist sie eben nicht zuständig für das gesamte „Leben“.

Vielmehr ist ein umgekehrter „Lyssenko-Ismus“ zu beobachten. Dieser unterstellte den Erbanlagen von Pflanzensamen eine größere Umweltabhängigkeit und fuhr damit an die Wand. Die BioFans machen es genau umgekehrt und nehmen am Menschen nur das durch sie und ihre Werkzeuge erklärbare wahr. Und überschreiten damit ihre Kompetenz.

Abgesehen davon, fällt mir auch nichts aus der Biologie ein, was jemals irgendwelchen besonderen wissenschaftlichen Wert oder gar gesellschaftlichen Wert hatte. Darwin vielleicht, nur so positive Auswirkung auf die menschliche Existenz hat der auch nicht unmittelbar gehabt.

Bei dem was aus der Spieltheorie eingestreut wird, sollte man sich bewusstmachen, dass Neumann, Nash und Oskar Morgenstern Mathematiker bzw. Wirtschaftswissenschaftler waren und mit Biologie nix am Hut hatten.

Alles andere sind lustige Ideen, die aber auch mehr der Unterhaltung dienen als dem Schema..

1. Hypothese

2. Experiment

3. Bestätigung / Falsifizierung

…gerecht werden können.

Kuckuck, Kuckuck ruft’s aus dem Wald

9. April 2013

Ja, die Piraten mal wieder… Das war die Partei, die als Newcomer mit Privacy und Post-Gender aufgestiegen ist und dann am Ende mit Post-Privacy und mit Gender Agenda im Rampenlicht standen. Sie haben sich da Leute ins Boot geholt, die sie im wahrsten Sinne des Wortes dann selbst aus dem Nest warfen.

Von liquid1 democracy zum politischen Selbstverständnis, dass democracy eher super-liquid2 sei.

…Frühling ist es nun bald.

1 flüssig
2 über-flüssig

/Update:

Ausführlicher und, wie ich finde, guter Kommentar zur Piratinnekon von Asemann:

http://asemann.de/?p=97

Eve of destruction

2. September 2012

Wie der Netzfeminismus offene Plattformen und Projekte (zer)stört, am Beispiel der deutschsprachigen Wikipedia

Image

„Hm, sieht nicht aus wie die Frucht der Erkenntnis…?“

Aktuell, vielseitig, umfassend, verständlich

Die Wikipedia ist ein großartiges Projekt. Gerade in Bezug auf technische Fragen und praktische Information, ist sie aus dem Alltag kaum noch wegzudenken. Unzählige Freiwillige ermöglichen ein Nachschlagewerk, das insbesondere an Aktualität, Vielseitigkeit und Verständlichkeit anderen Enzyklopädien mehr als das Wasser reichen kann.

Wer immer einer Profession oder einem Hobby nachgeht und wem ein wenig Herzblut daran liegt, kann seinen Teil zum Online-Lexikon beisteuern, wenn es ausreichend belegt ist, freilich – so die Theorie. Mit „normalen“ Nachschlagewerken hat sie gemein, dass sie Sachverhalte aus der „realen“ Welt darstellen und beschreiben soll. Jedoch wird man klassische Enzyklopädien vergeblich bemühen, wenn es um tagesaktuelle Ereignisse geht. Auch mit der Vollständigkeit ist es nicht weit her, so gibt das Fremdwörterlexikon „Der kleine DUDEN“ aus dem Jahr 1991 zum Stichwort Feminismus folgende Auskunft: „der; -, …men: Ausbildung weiblicher Geschlechtsmerkmale beim Mann od. bei männlichen Tieren“

Das ist so falsch nicht und hat wahrscheinlich mehr Realitätsbezug als die Wikipedia-Definition, aber die ganze Wahrheit ist es auch wieder nicht. Sicher hat die Duden Experten-Redaktion lange und gründlich dafür recherchieren müssen, bis sie es so knackig definiert hatten und die Leute sind keineswegs überbezahlt.

Ebenfalls hilft mir der Brockhaus, Meyers kleines Konversationslexikon oder die Encyclopedia Britannica recht wenig, wenn ich mal schnell alle Folgen einer Fernsehserienstaffel, alle Alben einer Musikband, Informationen über ein Softwareprojekt haben will, sowie Angaben aus Bereichen, die eine Lexikonredaktion aus verschiedenen Gründen ausklammert.

Zum Beispiel, weil es um Spezialwissen geht oder im Detail normalerweise nur in Fachbüchern zu finden ist. Insbesondere bei zeitkritisches Wissen, wie die Features von aktuellen Prozessorgenerationen, kann eigentlich kaum ein anderes Medium mithalten. Zumindest ist Wikipedia meist ein guter Startpunkt, um schnell an die nötigen Quellen zu kommen.

Dazu kommen Unterprojekte, wie Wiktionary, die mit jedem Wörterbuch ohne weiteres konkurrieren können.

Wikipedia verwende ich also aus den unterschiedlichsten Gründen mehrmals täglich und das mit Gewinn. Tausend kleine alltägliche Anlässe, wo die Plattform sich unmittelbar praktisch bezahlt macht und sinnlose und vergebliche Suche auf ein absolut notweniges Maß reduziert.

Währenddessen kann ich mir nicht vorstellen, dass es sich großartig negativ auf mein Leben auswirken würde, wenn es plötzlich keine sozialwissenschaftlichen Publikationen oder feministische Literatur mehr gäbe. Letztere ist lediglich ein Ärgernis, Erstere sind bestenfalls irrelevant. Vielmehr liegt doch der gesellschaftliche Nutzen der allermeisten Sozial- oder Geisteswissenschaftler bei ungefähr null. Diese Leute finden doch genug Möglichkeit sich, sogar bezahlt, bei Stiftungen, Zeitungen, Rundfunkanstalten zu verbreiten. Warum muss man dann noch Wikipedia in die verkorksten Verstrickungen dieser egozentrischen Gernegroße hineinziehen?

Und im Gegensatz zu konventionellen Enzyklopädien verfügt die Wikipedia über zahlreiche Features, wie Einsicht in Versionen und Diskussionsstränge, die dem mündigen Leser Einsicht in das Zustandekommen eines Textes geben, um selbst die Qualität desselben abschätzen zu können.
Bei konventionellen Lexika ist dies weitaus schwieriger, zumal dort auch nicht festzustellen ist, welcher der Autoren für welchen Beitrag verantwortlich ist.

Nutzwert, Neid und Begehrlichkeiten

Mit wachsender Popularität und dem Umstand der leichten Bearbeitung von Content werden ihr diese Vorteile in manchen „Fachgebieten“ nun zum Verhängnis.

Dadurch, dass Wikipedia nicht nur zum praktischen Informieren, sondern häufiger auch als Referenz verwendet wird, weckte man Begehrlichkeiten nicht ganz moralisch einwandfreier Art.

Anstatt möglichst umfassend Informationen zusammenzutragen, wird die Plattform zunehmend zur Meinungsbildung und „Fundierung“ von ideologiegetränkten Meinungen instrumentalisiert. Ähnlich Zitatkartellen schreiben sich Anhänger bestimmter Gruppierungen ihre Referenzen selbst.

So werden insbesondere Themen, die Feminismus betreffen zensiert und Kritiker gesperrt und Artikel über Autoren einseitig zurechtgekürzt, um sie in ein schlechtes Licht zu rücken.

Auszug aus einer Diskussion um einen Beitrag:

„Wir umschreiben Begriffe nicht und machen auch keine Begriffs- oder Theoriefindung. Das widerspricht den Wikipedia-Grundprinzipien. Was X und Y ist, kann jeder in den WP-Artikel dort nachlesen. Was du also findest, ist für die Darstellung unerheblich.“

Sprich, nicht mehr eine belegte Referenz bildet die Grundlage, sondern ein anderer Wikipedia-Artikel.

Das alles und mehr ist bei cuncti ausführlich beschrieben worden, jedoch mit einer fatal falsch gezogenen Schlussfolgerung.

Ein weiterer Punkt ist, dass sich bei anderen Beiträgen Autoren offensichtlich herabgesetzt fühlen, weil sie erkennen, dass die Qualität „renommierter“ Quellen nicht soviel besser bzw. sehr viel schlechter ist, als die gemeinschaftlich entstandenen Wiki-Beiträge. Ähnlich wie bei bekannten Open Source Projekten, wird der Konkurrenzdruck auf kommerzielle Anbieter erhöht.
Klar gibt es eine Menge Schrott, aber Projekte, wie Firefox, LibreOffice, GIMP, Linux als Server-Plattform, Apache Webserver, Eclipse … haben gezeigt, dass kollaborativ gepflegte Projekte für die meisten Anwender ein Segen sind. Zumal zumeist dort auch Meritokratie mit Gemeinschaftlichkeit verbunden wird. Sprich, ungeachtet von Namen oder Ansehen kommen die Änderungen zum Tragen, die den verdienstvollsten Beitrag leisten.
Dies ist ein nicht zu vernachlässigender Aspekt, um Einsicht über die Motivation der Wikipedia Kritiker zu gewinnen. Im Wiki sieht man Fehlentwicklungen recht schnell, wenn man sich dafür interessiert. Ein Fachgebiet, insbesondere wenn es kaum Relevanz besitzt, kann dagegen auch jahrzehntelang vor sich hindümpeln, denn der autoritätsgläubige Leser, weiß es eben nicht besser und hat auch keine Möglichkeit, sich über das Zustandekommen von Texten zu informieren.
Kein Wunder also, wenn bisher anstrengungslos vergütete Autoren gegen die offene Plattform wettern.

A Fool with a Tool is still a Fool

Es wird also recht schnell klar, dass die vermeintlich Wikipedia-bedingten Probleme eher allgemeine Probleme der entsprechenden Gebiete sind. Wikipedia ist bloß ein Werkzeug, eine technische Infrastruktur. Und das, was sie machen soll, macht sie verdammt gut. Ein technisches Mittel kann niemals strukturelle Probleme lösen, das muss schon die „reale Welt“ tun.
Dass sich falsche Leute in den falschen „Etagen“ befinden und unberechtigterweise Autorität genießen und damit andere gängeln, zensieren oder Meinungen unterdrücken können, kommt bei anderen Veröffentlichungsformen genauso oder schlimmer vor.
Deswegen sei den Sozialwissenschaftlern gesagt, räumt erstmal bei Euch selber auf! Solange Gender-Studies in „echten“ Universitäten unterrichtet wird, beschwert Euch nicht über die Missstände bei Wiki. Solange es der Mainstream ist, entsprechende Politik in den Hauptmedien zu betreiben, werft es Wiki nicht vor. Oder wenn Stiftungen entsprechende akademische Abschlussarbeiten finanzieren, die dann als Quellen hergenommen werden. IHR seid das Problem!

Zumal man sich auch fragen muss, wie es sein kann, dass es so einfach ist, den größten Unsinn zu verbreiten, ohne bei Lesern gleich auf Verstimmung zu stoßen. Da gibt`s ja verschiedene Möglichkeiten. Zum Beispiel sind die Leser unglaublich dumm oder verblendet (dann ist Wikipedia das geringste Problem, denn schließlich hat das ja auch seine realweltlichen Ursachen) oder, wie gesagt, die Beiträge sind einfach so irrelevant und u.a. deswegen so schwer auf Korrektheit überprüfbar.
Dabei bietet sich gerade die Transparenz der Wikipedia an, die Folgen einer Geschlechterprivilegierung zu beobachten. Wenn eine Gruppe nicht mehr nach Verdiensten protegiert wird und quasi geschlechtsgegebene Narrenfreiheit besitzt, richtet es unglaublichen Schaden an. Warum soll das in der realen Welt anders sein? Wenn manche im Namen von Jugendschutz und Frauenbefindlichkeiten Wiki in ihrem Sinne „säubern“ wollen, erinnert das sehr stark an politische Bestrebungen der letzten Jahre in der realen Welt.

In der realen Welt gibt es nun mal auch Unmündige und Idioten. Kinder können sich keinen Internet-Anschluss anmelden / bestellen, also sind das Problem vorwiegend erwachsene Idioten. Wenn die Wikipedia sich immer mehr darauf ausrichtet, auch von Idioten bedient werden zu können, werden sie letztlich nur noch Idioten benutzen.

Ein Esel schimpft den ander`n Langohr

 Abbildung 2: Das Bild zeigt keine sozialwissenschaftliche Expertenkommission und weder Arne Zweifelfrau noch Michi Groß

Das Bild zeigt keine sozialwissenschaftliche Expertenkommission und weder Arne Zweifelfrau noch Michi Groß

Nun gibt es Leute, die mit allen Mitteln glauben machen wollen, es lägen die Missstände der Wikipedia an der Anonymität der dortigen Autoren.
Nun ja, wenn die Anonymität das Problem von mangelnder Redlichkeit oder Wissenschaftlichkeit ist, dann sollte man doch unbedingt für (Sozial-)Wissenschaftler eindeutige Namen einführen: Statt Michi Groß würde Michi Groß_002041 die Veröffentlichungen zieren, denn manche Namen kommen sehr viel häufiger vor als andere.
Ein paar wissenschaftliche Untersuchungen dahingehend wären interessant, ob Leute mit Allerweltsnamen mehr Unsinn schreiben als Leute mit eindeutigen bzw. ungewöhnlichen Namen.
Wenn also beispielsweise jemand schreibt, männliche Beschneidungen bei Säuglingen wären nicht so schlimm, denn bisher hätten sich diese als Erwachsene kaum über Beeinträchtigungen beschwert, dann läge das möglicherweise am Allerweltsnamen. (Nur mal so zur Vollständigkeit, mit der gleichen Begründung könnte man auch Kleinkinder die Augen rausschneiden, denn sie würden ja später keinen Unterschied kennen). Wie also auch schon Kleinkinder, mit oder ohne Augen oder Vorhaut erkennen können, liegt das Problem nicht an der Anonymität, sondern an der Unqualifiziertheit bzw. Dummheit der Schreiberlinge.

Dynamik der Dummheit

Wo ist ein Salomon, wenn man ihn braucht?

Wo ist ein Salomo, wenn man ihn braucht?

Ich muss keine Bücher über Themen lesen, die mich nicht interessieren und ich muss keine Zeitungen oder Magazine kaufen, die zweifelhafte Politik betreibende Publizisten beschäftigen.
Dass jetzt genau diese Leute, ob Feministen oder die Gegenseite, ein großartiges Projekt zerstören, welches sie A) nicht verstehen und wozu sie B) nichts Relevantes beizutragen haben, ist mehr als ein Ärgernis.

Die Anonymität ist Begleiterscheinung und Voraussetzung der wichtigsten Alleinstellungsmerkmale der Plattform: Aktualität, Vollständigkeit und Vielseitigkeit, die durch unkompliziertes Einstellen von Änderungen und eine breite Autorenbasis ermöglicht werden. Sie kann aber auch missbraucht werden, um Menschen zu diskreditieren und zu verleumden. Deswegen kann ich den Unmut darüber gut verstehen.

Drum hoff`man, die Nerds und Enthusiasten, die das Netz auf- und ausgebaut und zu dem gemacht haben, was es ist, kommen auch mit dieser Bedrohung klar.

Die Korpusaffen

13. Juli 2012

Vor einigen Jahren beschäftigte ich mich situationsbedingt ein wenig mit Information Retrieval und Natural Language Processing (kurz NLP),

Jeder Handy-Besitzer kennt die automatische Wortvervollständigung für SMS in Abhängigkeit der bereits getätigten Eingaben. Also beispielsweise, wenn die Buchstaben ‚H‘ ‚A‘ eingegeben wurden, macht das Handy den Vorschlag ‚Hallo‘. Dies kann sehr einfach umgesetzt sein, in dem aus einem Wörterbuch das nächste Wort herausgesucht wird, das mit diesen Buchstaben anfängt. Viele Anwendungen
benutzen für die Vervollständigung ein Nutzerwörterbuch mit den am häufigsten bereits benutzen Wörtern. Die Idee lässt sich weiter ausführen und mit grammatikalischen Regeln verknüpfen, also dass die Satzstruktur in einer Sprache bestimmten Regeln folgt, wie Subjekt, Prädikat, Objekt. Oder in dem aus einem Korpus, einer Sammlung von Texten, wie Zeitungsartikeln, wissenschaftlichen Papern oder ganzen Büchern, n-Gramme benutzt werden. Ein 2-Gram, 3-Gram, …, n-Gram sind Wortfolgen, die häufig zusammen auftauchen. „Es war einmal“ ist ein 3-Gram, das mit hoher Häufigkeit in Grimms Märchen auftaucht. Wenn jemand also einen Korpus aus Grimms Märchen verwendet, und „Es war“ eingegeben hat, kann ein Programm leicht erraten, dass wohl „einmal“ folgen wird und es ergänzen.

Setzt man nun einen Affen vor einen Rechner und lässt ihn auf die Tastatur einkloppen, so kann ein wie oben beschriebenes NLP-Programm dafür sorgen, dass immer „sinnvolle“ Sätze produziert werden.
Benutzt man nun einen Korpus mit Artikeln und Standard-Werken, beispielsweise aus den Gender- oder Sozial-„Wissenschaften“, so entstehen Texte, die bezüglich Sinngehalt, denen üblicher Veröffentlichungen dieser Fachgebiete in nichts nachstehen. Inzwischen erhärtet sich bei mir der Eindruck, der „Korpus-Affe“ ist keine bloße Fiktion meinerseits. Er ist das Resultat des heutigen Wissenschaftsbetriebs. Alles, was irgendwie geschrieben werden kann, in dem man Wörter aneinanderreiht, weil es auch nur annähernd sprachlichen Gesetzmäßigkeiten folgt, wird auch geschrieben. An und für sich ist das eine gute Sache. In Verknüpfung mit einem Reality-Check, dem Gegenprüfen durch und versus die Wirklichkeit, könnten so interessante neue Erkenntnisse gewonnen werden. Nur leider neigen die „Korpusaffen“ dazu recht unreflektierte und ignorante Zeitgenossen zu sein, die gegen jede Form von Realität oder Gedankenaustausch immun sind. Sie haben nun mal nur ihren Korpus und der geht ihnen, wie alles andere, stückchenweise, recht unverdaut und mechanisch durch die Tippfinger.

Fortsetzung folgt…möglicherweise.

Unseren täglichen Genderkram gib uns heute

10. Mai 2012

Im Tagesspiegel kann man exemplarisch wieder deutschen Topjournalismus in Sachen Gendergeblubber begutachten.
Da ist alles enthalten, was die Zunft zu bieten hat, ein Popanz, weibliches Opfergehabe / vermeintliche Frauenfeindlichkeit, Kontrafaktizität und schlichten Unsinn.
Auszug:

Der Trend, Ursachen für Geschlechtsunterschiede im Hirn und nicht in der Gesellschaft zu suchen, ist ungebrochen. Doch oft sind diese Studien völlig unwissenschaftlich – dienen aber dazu, Vorurteile gegen Frauen im wissenschaftlichen Gewand zu präsentieren.

Die Ansicht, dass die entsprechenden Verhaltensweisen extern / also durch Rollenzuweisung bedingt sind,
ist ebenso nur eine Theorie, zudem nicht weniger fadenscheinig als ihre „biologistischen“ Entsprechungen.

Und dann noch eine Wertung vorzunehmen, sprich etwas als „Rollenklischee“-typisch zu diffamieren bzw. abzuwerten
spricht auch nicht  gerade von wissenschaftlicher Redlichkeit.

Warum geht man nicht vom naheliegenden aus: dass das Geschlechter-spezifische Verhalten in den Studien so ausfällt,
wie es ausfällt, weil die Teilnehmer es entsprechend so wollen. Ihre Motivation demnach genauso ausgelegt ist.
Wenn jemand seine Fähigkeiten für bestimmte Tätigkeiten einsetzen will und für andere nicht, ist das sein / ihr gutes Recht.
Ob das jetzt mit biologischen Ursachen zusammenhängt oder mit gesellschaftlichen oder mit Mischungen von beiden –
was wahrscheinlicher ist – ist dabei doch nebensächlich. Es ist historisch belegt, dass Frauen,
obwohl sie reichlich Gelegenheit für musikalischer Betätigung hatten, kaum kreative Neuschöpfungen in diesem Feld erreichten.
(für die meisten bürgerlichen Töchter gehörten im 19ten / frühen 20 Jh. Klavierstunden zum guten Ton).
Warum haben hauptsächlich Männer  Entdeckungen und neue Ideen auch gegen die größten gesellschaftlichen Widerstände durchgesetzt,
selbst wenn sie dafür mit dem Leben bezahlt haben und es gerade nicht „en vogue“ war?
Andererseits führt anscheinend auch enormes Engagement in sogenannte „Girlsdays“ nicht dazu, dass in den MINT Bereichen
eine Angleichung erfolgt. Sagen wir doch einfach Männer und Frauen sind (tendenziell) motiviert ihre Fähigkeiten unterschiedlich
auszuleben. Ist das schlecht? Ist der/die eine deswegen „dümmer“ oder „minderwertiger“ als die/der andere, weil er/sie andere
Beweg-Gründe hat?

Vermeintliche Rollen zu kritisieren und die nach ihnen Handelnden als „Opfer“ gesellschaftlicher Normen darzustellen,
hat mehr mit Manipulation und Zwang zu tun, als in diesen „Normen“ heutzutage tatsächlich enthalten ist.
Denn was ist die Alternative? Den Leuten vorzuschreiben, wie sie sich „nicht Rollen-spezifisch“ verhalten sollen oder
„Rollen-spezifisches“ Verhalten abstrafen?
Zumal die „gender“ Verhaltensmaßregeln zum größten Teil Lebens-fremd / feindlich und in sich selbst oft genug widersprüchlich sind.