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Endlose Rekursion und zirkuläre Abhängigkeiten im Kinderlied

31. März 2013

MandelmopsWer denkt, dass die theoretischen Grundlagen der Computerwissenschaft etwas dem Alltag vollkommen Fremdes sind, vergisst, dass man von klein auf schon damit zu tun hat. Ein Klassiker der endlosen Rekursion ohne Abbruchbedingung ist das Lied „Ein Mops kam in die Küche“:

1. Ein Mops kam in die Küche, und stahl dem Koch ein Ei.

2. Da nahm der Koch den Löffel und schlug den Mops zu Brei.

3. Da kamen viele Möpse und gruben ihm ein Grab.

4. Und setzten drauf ’nen Grabstein, worauf geschrieben stand:

(Sprung zurück zu 1.)

Das Reizvolle ist die unmittelbare Einsicht, dieses Lied bis in alle Ewigkeit weitersingen zu können und dabei eine unendliche Schachteltiefe der Geschichte in der Grabinschrift des Mopses zu produzieren, die sich zudem in der Unendlichkeit selbst enthält. Ein fraktales Lied sozusagen.

Teile-und-Herrsche (Divide and Conquer) beschreibt Verfahren, in denen ein Problem in überschaubare Teilprobleme zerlegt wird, um es einfacher lösen zu können. Auch hierfür gibt es Beispiele im Liedgut:

1. Wenn der Topf aber nu ’n Loch hat, lieber Heinrich, lieber Heinrich? Wenn der Topf aber nu ’n Loch hat, lieber Heinrich, ’n Loch? „Stopp’s zu liebe, liebe Liese, liebe Liese, stopp’s zu!“

2. Womit soll ich’s denn aber zustoppen, lieber Heinrich, lieber Heinrich? Womit soll ich’s denn aber zustoppen, lieber Heinrich, zustoppen? „Mit Stroh, liebe, liebe Liese, liebe Liese, mit Stroh!“

3. Wenn’s Stroh aber nu zu lang ist, lieber Heinrich, lieber Heinrich? Wenn’s Stroh aber nu zu lang ist, lieber Heinrich, zu lang? „Hau’s ab, liebe, liebe Liese, liebe Liese, hau’s ab!“

4. Womit soll ich’s aber abhaue, lieber Heinrich, lieber Heinrich? Womit soll ich’s aber abhaue, lieber Heinrich, womit? „Mit’m Beil, liebe, liebe Liese, liebe Liese, mit’m Beil!“

5. Wenn’s Beil aber nu zu stumpf ist, lieber Heinrich, lieber Heinrich? Wenn’s Beil aber nu zu stumpf ist, lieber Heinrich, zu stumpf? „Mach’s scharf, liebe, liebe Liese, liebe Liese, mach’s scharf!“

6. Womit soll ich’s denn aber scharf machen, lieber Heinrich, lieber Heinrich? „Womit soll ich’s denn aber scharf machen, lieber Heinrich, womit? „Mit’m Stein, liebe, liebe Liese, liebe Liese, mit’m Stein!“

7. Wenn der Stein aber nu zu trocken ist, lieber Heinrich, lieber Heinrich? Wenn der Stein aber nu zu trocken ist, lieber Heinrich, zu trocken? „Mach’n nass, liebe, liebe Liese, liebe Liese, mach’n nass!“

8. Womit soll ich’n aber nass mache, lieber Heinrich, lieber Heinrich? Womit soll ich’n aber nass mache, lieber Heinrich, womit? „Mit Wasser, liebe, liebe Liese, liebe Liese, mit Wasser!“

9. Womit soll ich denn aber’s Wasser schöpfe, lieber Heinrich, lieber Heinrich? Womit soll ich denn aber’s Wasser schöpfe, lieber Heinrich, womit? „Mit’m Topf, liebe, liebe Liese, liebe Liese, mit’m Topf!“

10. Wenn der Topf aber nu ’n Loch hat, lieber Heinrich, lieber Heinrich? Wenn der Topf aber nu ’n Loch hat, lieber Heinrich, ’n Loch? „Lass es sein, dumme, dumme Liese, dumme Liese, lass es sein!“

Es ist nicht so elegant, wie der Mops-Text, in dessen Kürze die Würze liegt. Doch auch hier ist Selbst-Bezug / Rekursion das Hauptmotiv. Allerdings wird die Endlos-Schleife abgebrochen, sobald offensichtlich ist, dass die Problem-Ursache und Problem-Lösung miteinander verwoben, ja augenscheinlich identisch sind. Ein Problem lösen zu wollen, dass es ohne den Versuch es lösen zu wollen, gar nicht gäbe. Es besteht fürderhin eine zirkuläre Abhängigkeit zwischen Problem und Teillösung.

Puh. Das war jetzt mein Wort zum Ostersonntag. Denken Sie mal drüber nach… (Ich hätte Pfarrer werden sollen.)